Diffuses Gliom
Ein Gliom entsteht direkt aus dem Gewebe des Gehirns und stellt mit etwa 600 bis 800 Neuerkrankungen in Österreich pro Jahr die häufigste Form unter den etwa 120 verschiedenen Arten von hirneigenen Tumoren dar.
Das Gehirn wird von „Stützzellen“, so genannten Gliazellen, stabilisiert und versorgt. Wenn sich diese Gliazellen bösartig verändern, kann ein Gliom entstehen.
Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, die je nach Ursprungsgewebe und betroffenen Gliazellen unterschiedliche Bezeichnungen/Eigenschaften haben:
- Glioblastom: Die häufigste und aggressivste Form, die schnell wächst und keine Mutation im IDH-Gen zeigt
- Astrozytom: Entsteht aus Astrozyten und zeigt immer eine IDH-Mutation. Astrozytome können sehr unterschiedlich verlaufen: Manche wachsen langsam und bleiben lange stabil, andere entwickeln sich rascher und aggressiver
- Oligodendrogliom: Entsteht aus Oligodendrozyten und zeigt immer eine IDH-Mutation sowie einer weiteren genetischen Besonderheit (den Verlust der Chromosomenbestandteile 1p und 19q). Auch diese Tumoren wachsen meist langsamer
- Ependymom: Ein Ependymom entsteht aus Ependymzellen, die die Hohlräume im Gehirn und den Rückenmarkskanal auskleiden, durch die das Nervenwasser (Liquor) fließt. Diese Tumoren können sowohl im Gehirn als auch im Rückenmark auftreten
Gliome werden anhand ihrer biologischen Aktivität in vier Grade eingeteilt. Niedriggradige Gliome (Grad I und II) wachsen sehr langsam und führen oft erst nach langer Zeit zu Symptomen, während höhergradige Gliome (Grad III und IV) schneller wachsen und früher Beschwerden verursachen können.
Das IDH-Gen ist ein wichtiger Faktor bei der Betrachtung von Gliomen. Eine Veränderung im IDH-Gen („IDH-mutiert“) kann Hinweise auf einen günstigeren Krankheitsverlauf geben. Glioblastome zeigen diese Veränderung nicht, während andere Gliome wie Astrozytome und Oligodendrogliome diese Mutation aufweisen.
Diffuses Gliom – RISIKOFAKTOREN und SYMPTOME
- Risikofaktoren
Bislang sind keine eindeutigen Risikofaktoren für die Entstehung von Gliomen bekannt. Auch Handystrahlung konnte nicht damit in Verbindung gebracht werden.
- Symptome
Ein Gliom kann sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen, jedoch gibt es keine spezifischen Symptome, die eindeutig auf einen Hirntumor hinweisen. Kopfschmerzen sind nicht immer ein typisches Anzeichen für einen Hirntumor und können fehlen.
Die Lage des Glioms im Gehirn spielt eine entscheidende Rolle für die Symptome. Liegt der Tumor im Sprachzentrum, können Probleme beim Sprechen oder Sprachverständnis auftreten. Befindet er sich im motorischen Zentrum, kann es zu Lähmungen oder Bewegungseinschränkungen kommen. In anderen Bereichen des Gehirns kann eine übermäßige Reizung gesunder Hirnregionen Krampfanfälle, sogenannte epileptische Anfälle, auslösen, die oft das erste Anzeichen der Erkrankung sind.
- Mögliche Symptome eines Glioms umfassen:
- epileptische Anfälle
- Persönlichkeits- oder Verhaltensänderungen
- Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration
- verminderte Belastbarkeit
- Lähmungen
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
Bei Auftreten solcher Symptome sollte eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und gezielte Untersuchungen durchzuführen.

Diffuses Gliom – DIAGNOSE
Zur Diagnose eines Glioms ist zunächst eine Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig. Bei dieser Untersuchung werden verschiedene Aufnahmetechniken, sogenannte Sequenzen, verwendet. Jede dieser Sequenzen kann bestimmte Gewebearten oder Strukturen im Gehirn besonders gut sichtbar machen – zum Beispiel Flüssigkeiten, Blutungen oder Tumorgewebe. So lassen sich möglichst detaillierte Informationen über das Gehirn und die Tumor Lokalisation gewinnen. Generell wird empfohlen, für die Diagnose und Behandlung ein für Hirntumore spezialisiertes Zentrum mit entsprechender Erfahrung aufzusuchen.
Weitere Untersuchungen können Aufnahmen des Bauch- oder Brustraums umfassen, um eine mögliche Metastasierung anderer Tumoren ins Gehirn auszuschließen. Eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquordiagnostik) kann entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose ausschließen, die ähnliche Symptome wie ein Gliom verursachen können. Auch bestimmte Stoffwechselstörungen sowie hormonelle Veränderungen müssen ausgeschlossen werden, da sie ähnliche Symptome verursachen können.
Welche Untersuchungen letztlich notwendig sind, hängt von den individuellen Symptomen der Patient:innen ab.

Diffuses Gliom – THERAPIEOPTIONEN
Ein diffuses Gliom ist ein Tumor im Gehirn, der sich in das umliegende Gewebe ausbreitet. Ziel der Behandlung ist es, das Tumorwachstum zu bremsen, Symptome zu lindern und so lange wie möglich Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten.
Intensive oder weniger intensive Therapie
Je nach Allgemeinzustand, Alter und Tumoreigenschaften wird entschieden, ob eine intensive oder weniger intensive Behandlung sinnvoll ist:
- Intensive Therapie: Empfohlen für körperlich belastbare Betroffene. Sie umfasst meist eine Operation, gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie. Ziel ist eine möglichst lange Krankheitskontrolle.
- Weniger intensive Therapie: Wird gewählt, wenn eine starke Behandlung zu belastend oder wenig aussichtsreich ist – z. B. bei höherem Alter oder eingeschränktem Allgemeinzustand. Ziel ist hier vor allem, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Behandlungsformen
- Operation: Wenn möglich, wird der Tumor operativ entfernt. Ziel ist, so viel Tumorgewebe wie sicher möglich zu beseitigen. Auch eine teilweise Entfernung kann den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Wirksamkeit weiterer Therapien verbessern.
- Strahlentherapie: Nach der Operation oder bei nicht operablen Tumoren kann eine gezielte Bestrahlung eingesetzt werden. Sie zerstört verbleibende Tumorzellen, verlangsamt das Wachstum und kann Beschwerden wie Kopfschmerzen oder neurologische Ausfälle reduzieren.
- Chemotherapie: Meist wird das Medikament verwendet, entweder gleichzeitig mit der Strahlentherapie oder danach. Die Chemotherapie wirkt auf den gesamten Körper und bekämpft auch Tumorzellen, die sich außerhalb des direkt sichtbaren Tumors befinden.
- Zielgerichtete Therapien: Einige Tumore weisen genetische Veränderungen auf (z. B. IDH-Mutationen). Spezielle Medikamente können gezielt in den Stoffwechsel der Tumorzellen eingreifen und deren Wachstum bremsen. Diese Therapien werden individuell geprüft und meist in spezialisierten Zentren angeboten.
- Unterstützende/palliative Therapie: Umfasst Möglichkeiten, Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Dazu gehört die Behandlung von Beschwerden, aber auch psychologische Unterstützung, Physiotherapie und Beratung zur Lebensqualität.
Diffuses Gliom – REFERENZEN
- Gliome verstehen – Alle Fragen – selpers
- https://selpers.com/gehirntumor/gliome-verstehen/
- Gliome behandeln – Alle Fragen – selpers
- https://selpers.com/gehirntumor/niedriggradige-gliome-behandeln/
- Neuroonkologie – Basiswissen– SANO: Neuroonkologie – Basiswissen
- Hirntumoren: Anzeichen und Diagnose | Gesundheitsportal
- Arten von Hirntumoren | Gesundheitsportal
- Molecular diagnostic tools for the World Health Organization (WHO) 2021 classification of gliomas, glioneuronal and neuronal tumors; an EANO guideline | Neuro-Oncology | Oxford Academic
- EANO guidelines on the diagnosis and treatment of diffuse gliomas of adulthood | Nature Reviews Clinical Oncology
Diffuses Gliom – SERVICEANGEBOTE UND WEITERFÜHRENDE INFORMATION
- SHG für Hirntumorpatienten und Patientinnen sowie deren Angehörige – Wr. Neustadt – Dachverband NÖ Selbsthilfe : SHG für Hirntumorpatienten und Patientinnen sowie deren Angehörige – Wr. Neustadt – Dachverband NÖ Selbsthilfe
- Psychoonkologische Beratung – Österreichische Krebshilfe: Mobile psychoonkologische Beratung – Österreichische Krebshilfe
- Hirntumore – Österreichische Krebshilfe : Hirntumore – Österreichische Krebshilfe
- ÖGPO – Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie : ÖGPO – Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie – Österreichisches Spendengütesiegel
- SANO (Society of Austrian Neurooncology): Neuroonkologie – Basiswissen
- Cancer School CCC Vienna: Diagnose Krebs? Die cancer School vermittelt Wissen
- Cancer School CCC Vienna | MedUni Wien
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