Wird Magenkrebs im Frühstadium erkannt, steigen die Chancen auf Heilung. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf Warnsignale zu hören und diese möglichst früh durch eine Ärztin/einen Arzt abklären zu lassen. Neben einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung wird die Ärztin/der Arzt Stuhl- und Bluttests durchführen. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ermöglicht eine schnelle, sichere und frühzeitige Diagnose. Dabei können Veränderungen in der Magenschleimhaut festgestellt und Gewebeproben entnommen werden. Diese werden unter dem Mikroskop untersucht und auf Infektionen (v.a. Helicobacter pylori) geprüft.

Die Ursachen für die Entstehung von Magenkrebs sind noch nicht restlos geklärt. Man weiß aber, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren dessen Entwicklung begünstigt. Manche dieser Risikofaktoren können wir durch unseren Lebensstil beeinflussen, andere nicht.

  • Ernährung: Ernährungsgewohnheiten spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Magenkrebs. Schädlich ist v.a. der häufige Verzehr von stark gesalzenen, gepökelten, geräucherten oder stark gegrillten Speisen; verdorbene und verschimmelte Nahrung (Aflatoxine); zu geringer Konsum von frischem Obst und Gemüse. Außerdem kann der häufige Verzehr tierischer Produkte, v.a. von Wurst, das Risiko für Magenkrebs erhöhen.
  • Rauchen: Krebs erregende Rauchinhaltsstoffe lösen sich im Speichel und gelangen so in den Magen.
  • Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum schädigt die Magenschleimhaut und kann die Entstehung von Magenkrebs begünstigen.
  • Übergewicht: Dürfte bei der Entstehung von Tumoren am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen eine Rolle spielen.
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) gilt als Risikofaktor für die Entstehung von Krebs am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen. Bei der Refluxkrankheit kommt es zum Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, wodurch die Schleimhaut geschädigt wird.
  • Infektionen: Die Besiedelung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann zu dauerhaften Entzündungen (Gastritis) und Geschwüren der Magenschleimhaut und in der Folge zu Magenkrebs führen. Eine Magenschleimhautentzündung, die durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht ist, kann zuverlässig mit Medikamenten behandelt werden.
  • Vorerkrankungen des Magens: Das Magenkrebsrisiko ist z.B. bei chronischer Gastritis, chronischem Magengeschwür, Polypen, Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie) als Folge einer Autoimmungastritis und länger zurückliegenden Magenoperationen erhöht.
  • Familiäre Belastung: Das Erkrankungsrisiko ist um das Zwei- bis Dreifache erhöht, wenn bereits ein Familienmitglied ersten Grades (z.B. Eltern, Geschwister) an einem Magenkarzinom erkrankt ist.

Das Magenkarzinom verursacht anfangs kaum oder nur uncharakteristische Beschwerden. Diese sind oft nicht von harmlosen Verdauungsbeschwerden zu unterscheiden. Aus diesem Grund wird die Diagnose oft erst zu spät, in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt.

Folgende Beschwerden können auf ein Magenkarzinom hinweisen, haben aber oft harmlose Ursachen:

  • „empfindlicher Magen“, oft mit ausgeprägter Abneigung gegen verschiedene Speisen (z.B. Fleisch- und Wurstwaren)
  • neu aufgetretene Unverträglichkeiten, z.B. gegen Kaffee, Obst und Alkohol
  • Druck-/Völlegefühl (oft bereits nach wenigen Bissen) und Schmerzen im Oberbauch (Nüchternschmerz)
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Aufstoßen, Mundgeruch, Brechreiz und Erbrechen
  • Blähungen
  • Schluckbeschwerden
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Leistungsminderung und Schwäche
  • Blutarmut (Anämie)
  • Bluterbrechen und Teerstühle (schwarzer, klebriger, übelriechender Stuhl)
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Mehrere Untersuchungen sind notwendig, um die Diagnose Magenkrebs zu stellen.

Der Arzt/die Ärztin fragt Sie:

  • nach Ihren Beschwerden,
  • nach Ihren Ess- und Trinkgewohnheiten,
  • ob Sie Medikamente einnehmen.

Außerdem tastet der Arzt/die Ärztin Ihren Körper ab. Er spürt, ob sich irgendwo Wasser eingelagert hat. Er tastet auch nach geschwollen Lymphknoten.

Weitere Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Magenkrebs:

  •  Überprüfung der Blutwerte
  • Computertomografie
  • endoskopischer Ultraschall
  • Bauchspiegelung

Um festzustellen, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben, werden weitere Untersuchungen benötigt. Zu den Untersuchungen zählen:

  • Ultraschall des Bauchraumes (v.a. der Leber)
  • Röntgen der Lunge
  • Computertomographie des Brustkorbes und des Bauchraumes sowie
  • Laboruntersuchungen
  • Eventuell sind auch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), eine Magnetresonanztomographie der Leber oder eine Skelettszintigraphie erforderlich.

Um die Therapie optimal planen und die Prognose abschätzen zu können, verwenden Fachleute internationale Klassifikationen: das sogenannte Grading, die Lauren-Klassifikation sowie Staging (TNM-Klassifikation).

Das während einer Magenspiegelung oder Operation entnommene Gewebe wird unter dem Mikroskop untersucht. Dabei wird beurteilt, wie sehr sich die Krebszellen von normalem Magengewebe unterscheiden und wie aggressiv der Tumor wächst. Es gibt vier Grade:

  • G1 (niedriges Risiko): Das Tumorgewebe ist der normalen Schleimhaut noch sehr ähnlich (man sagt: gut differenziert oder ausgereift) und gilt als weniger aggressiv.
  • G2 (mittleres Risiko): Das Tumorgewebe unterscheidet sich bereits von der normalen Schleimhaut, es ist mäßig differenziert.
  • G3 (hohes Risiko): Das Tumorgewebe ähnelt dagegen normalem Schleimhautgewebe kaum noch, es ist schlecht differenziert. Diese Tumoren gelten als aggressiv und haben eine ungünstigere Prognose.
  • G4 (sehr hohes Risiko).

Ob und wie operiert werden kann, wird auch durch das Wachstumsverhalten des Tumors mitbestimmt. Die sogenannte Lauren-Einteilung beschreibt, wie der Tumor wächst und sich im Magen ausbreitet.

  • Intestinaler Typ: Gut begrenzter Tumor, dessen Gewebe sich nur wenig vom normalen Magengewebe unterscheidet. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen, wenn der Tumor früh entdeckt wird.
  • Diffuser Typ: Der Tumor ähnelt normalem Magengewebe kaum mehr und wächst großflächig in die Magenwand. Die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Tumor mit einer Operation vollständig zu entfernen, ist geringer als beim intestinalen Typ. Um kleine Tumorherde nicht zu übersehen, entfernen Ärztinnen und Ärzte vorsorglich mehr Gewebe um den Tumor herum.
  • Mischtyp: Nicht eindeutig zuzuordnen.

Mittels der TNM-Klassifikation kann die Ärztin/der Arzt die örtliche Ausbreitung des Tumors sowie den Befall von Lymphknoten und anderen Organen einschätzen. So kann die Prognose des Magenkrebses eingeschätzt werden.

  • T beschreibt, wie tief der Tumor in die Magenwand eingewachsen ist bzw. ob sich dieser schon darüber hinaus ausgebreitet hat.
  • N beschreibt, ob und, wenn ja, wie viele Lymphknoten befallen sind.
  • M beschreibt, ob Fernmetastasen gefunden wurden.

Liegen die Ergebnisse aller Untersuchungen vor, bespricht ein Team aus Ärztinnen/Ärzten der verschiedensten Fachrichtungen (Tumorboard) die Behandlungsmöglichkeiten. Dabei ist u.a. entscheidend, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und ob sich bereits Metastasen gebildet haben. Wird der Krebs früh entdeckt und hat noch nicht in andere Organe gestreut, ist eine Heilung mittels kurativer Therapie möglich.

Ist der Krebs schon weit fortgeschritten und hat bereits Fernmetastasen gebildet, ist ist das Ziel der Therapie, das Wachstum des Tumors zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und das Leben zu verlängern.

Eine kurative Therapie kommt infrage, wenn der Krebs noch nicht gestreut hat. Dabei steht die möglichst vollständige operative Entfernung im Mittelpunkt. Frühzeitig erkannte Tumoren, die auf die Magenschleimhaut begrenzt sind, können unter Schonung des Magens (organerhaltend) operiert werden. Meist wird der Krebs aber erst spät erkannt, und es ist notwendig, den Magen teilweise oder vollständig zu entfernen (Gastrektomie).

Je nachdem, wie weit der Tumor sich schon ausgebreitet hat, ist zusätzlich vor und/oder nach der Operation eine Chemotherapie, selten eine Strahlentherapie, nötig:

  • Chemotherapie: Bei bereits lokal fortgeschrittenen Magenkarzinomen kann eine Chemotherapie vor (neoadjuvant) und nach (adjuvant) der Operation den Heilungserfolg verbessern. Dabei kommen Medikamente (Zytostatika) zum Einsatz, die den Tumor in seinem Wachstum hemmen sollen.
  • Radiochemotherapie: Wird vor der Operation keine Chemotherapie verabreicht, kann nach der Operation eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung (Radiochemotherapie) sinnvoll sein

Wächst nach einer Operation der Tumor erneut (Rezidiv), kann noch einmal operiert werden. Wenn dies nicht möglich ist, kann eine Bestrahlung in Verbindung mit einer Chemotherapie erfolgen.

Ist die Krebserkrankung schon so weit fortgeschritten, dass sich Metastasen in Leber, Bauchfell oder anderen Körperregionen gebildet haben, ist eine Heilung nicht mehr möglich. In diesem Fall ist das Behandlungsziel, das Tumorwachstum einzudämmen, das Leben zu verlängern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Mit Medikamenten, die im ganzen Körper (systemisch) wirken, kann der Tumor in seinem Wachstum gehemmt werden. Dies kann mit Chemotherapie allein oder in Verbindung mit einer Antikörpertherapie geschehen.

Zu einer erfolgreichen Krebstherapie gehört auch die sogenannte Supportivtherapie. Darunter werden Maßnahmen zusammengefasst, die helfen, Begleiterscheinungen der Krebserkrankung und der Therapien zu lindern, wie zum Beispiel Erschöpfung/chronische Müdikgiet (Fatigue) und Schmerzen.


REFERENZEN: