Therapie

Therapie

Die Aussichten auf Heilung sind stark vom Krankheitsstadium abhängig: je früher der Darmkrebs entdeckt wurde, je niedriger also die Krankheitslast , desto erfolgreicher ist eine Behandlung. Zu den häufigsten Therapie-Möglichkeiten zählen Bestrahlung, Operation und eine medikamentöse Therapie, die auch oft kombiniert werden. Welches Verfahren das sinnvollste ist, hängt ebenfalls vom Krebsstadium ab (11).

Eine Strahlentherapie findet zur Behandlung von Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) Anwendung. Durch energiereiche Strahlung werden die Tumorzellen so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können und nach einiger Zeit absterben.

Betroffene erhalten eine Bestrahlung vor einem operativen Eingriff, um den Tumor zu verkleinern („neoadjuvant“), oder nach der Operation, um das Rückfallrisiko zu senken („adjuvant“).

Eine Strahlentherapie wirkt ausschließlich lokal. Sind schon weitere Organe von Krebs befallen, wird sie oft mit einer Chemotherapie kombiniert. Dann geht es darum, die Krankheit möglichst lange aufzuhalten, belastende Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.

Die meisten Patienten erhalten eine Bestrahlung ambulant in spezialisierten Arztpraxen oder radiologischen Ambulanzen von Kliniken.

Am Anfang der Behandlung steht in den meisten Fällen eine Operation. Ziel ist es, den Tumor nach Möglichkeit vollständig zu entfernen. Dies ist besonders in frühen Stadien gut möglich und erhöht die Chancen auf eine vollständige Heilung. Auch bei fortgeschrittenem Darmkrebs wird der Tumor operiert. Die Operation soll dann ein Fortschreiten der Erkrankung verzögern und Beschwerden lindern.

Kleine Tumoren können Ärzte unter Umständen ohne Bauchschnitt endoskopisch entfernen. Ähnlich wie bei einer Darmspiegelung führt der Arzt bei einer Endoskopie dem Patienten über den After einen Schlauch in den Darm ein, in dem sich die notwendigen Instrumente zur Entfernung des Tumors befinden.

Größere Tumore müssen in der Regel operativ entfernt werden. Sowohl bei Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) als auch Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) entfernen Ärzte einen Teil des Darms sowie umliegendes Fett- und Bindegewebe mitsamt den darin liegenden Lymphknoten.

Bei Operationen am Enddarm wird darauf geachtet, den Schließmuskel zu erhalten. Daher sollte der Tumor vor der Operation möglichst verkleinert werden und zwar mit Hilfe einer sogenannten neoadjuvanten Behandlung: Entweder als Bestrahlung oder als Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie.

Bei manchen Patienten ist jedoch ein künstlicher Darmausgang – zumindest vorübergehend – nicht vermeidbar.

 

Chemotherapie

Konnte der Tumor durch die Operation nicht vollständig entfernt werden oder besteht der Verdacht, dass sich anderswo im Körper noch Tumorzellen befinden, wird eine Chemotherapie durchgeführt. Sie kann verschiedene Behandlungsziele haben: In frühen Stadien des Darmkrebses soll sie die Chancen auf Heilung nach der Operation erhöhen (adjuvante Chemotherapie).

In fortgeschrittenen Stadien wird eine Chemotherapie durchgeführt, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern (palliative Chemotherapie). Sind bereits Metastasen in Organen vorhanden, ist eine vollständige Entfernung des gesamten Tumorgewebes durch eine Operation oftmals nicht möglich. In solchen Fällen werden die Metastasen vor der Operation mit einer Chemotherapie verkleinert und dadurch erst operabel gemacht (neoadjuvante Chemotherapie).

Die Medikamente einer Chemotherapie heißen Zytostatika. Davon steht heute eine Vielzahl von Wirkstoffen zur Verfügung, die die Ärzte auch miteinander kombinieren können. Zytostatika schädigen alle Zellen, also auch die Krebszellen. Sie bremsen das Wachstum des Tumors. Darüber hinaus gelangen sie über den Blutkreislauf in den gesamten Körper und erreichen so auch die Krebszellen in den Metastasen.

Nicht jedes Zytostatikum wirkt gegen jede Krebsart (12). Sehr gut bewährt hat sich bei Darmkrebs eine Chemotherapie mit dem Wirkstoff 5-Fluorouracil (5-FU), der über eine Infusion verabreicht wird. Einige wenige Zytostatika sind auch in Tablettenform (orales Zytostatikum) erhältlich. Weiterentwicklungen mit neuen Wirkstoffen gibt es vor allem zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom, bei denen die verfügbaren Therapieoptionen ausgeschöpft sind beziehungsweise nicht infrage kommen.

Welcher Wirkstoff der Richtige ist und welche Darreichungsformen infrage kommen, sollten Betroffene mit ihrem Arzt besprechen.

 

Antikörpertherapie

Seit einigen Jahren spielen bei der Behandlung von Darmkrebspatienten Antikörper eine wachsende Rolle. Antikörper werden biotechnisch hergestellt. Ihre Besonderheit: Sie richten sich ganz gezielt gegen tumorspezifische Merkmale, die entweder nur bei genau den Darmkrebszellen bei genau diesem Patienten vorkommen oder für ihr Wachstum eine wichtigere Rolle spielen als für normale Zellen. Daher lautet eine gängige Bezeichnung „zielgerichtete Therapie“ oder auch auf Englisch „targeted therapy“ (target = Ziel).

Bekannte Vertreter dieser neuen Medikamentengattung sind etwa Angiogenesehemmer, die die Ausbildung von Blutgefäßen im und zum Tumor stoppen. Sie unterbinden so die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen, der Tumor ,,verhungert”. Andere Vertreter dieser zielgerichteten Therapien blockieren Wachstumssignale, die bei Krebszellen besonders aktiviert und unkontrolliert sind. Sogenannte Signaltransduktionshemmer beeinträchtigen diese Signale bzw. blockieren die Signalübertragungsketten im Zellinneren, wodurch die Krebszellen das Wachstum einstellen und zugrunde gehen. Je nach Signalmolekül und Rezeptor können Signaltransduktionshemmer auch die Zell-Reifung (Proliferation), den programmierten Zelltod (Apoptose), oder die Bildung von Metastasen steuern.

Mit der Diagnose einer Tumorerkrankung entsteht bei vielen Menschen der Wunsch, die Verantwortung für ihr Leben nicht allein in die Hände des Arztes zu legen, sondern auch selbst etwas für ihre Genesung zu tun. Es gibt eine ganze Reihe supportiver Therapien, also unterstützender Methoden, die unter den Begriffen „ganzheitliche Therapie“, „aIternative Therapie“ oder „komplementäre Therapie“ zusammengefasst sind. Gerade im Internet stoßen Ratsuchende auf eine Vielzahl mehr oder weniger nützlicher Angebote von Homöopathie und Misteltherapie über Vitamin-C-Kuren und Akupunktur bis hin zu „Krebs-Diäten“. Für die meisten dieser Angebote gibt es keine wissenschaftlichen Belege zur Wirksamkeit. Im besten Falle nützen sie nichts, schlimmstenfalls aber schaden sie sogar. Bitte sprechen Sie daher in jedem Fall mit Ihrem Arzt, wenn Sie alternative Therapien durchführen wollen. Keine dieser Therapien kann die schulmedizinische Behandlung ersetzen!
Einige nützliche Methoden, um sich körperlich und geistig zu stärken, Kraft zu tanken, zu entspannen oder Ängste abzubauen, stellen wir gerne vor:

Bewegung (13)

Ob Waldspaziergang, Walken, eine Radtour oder Gartenarbeit: Leichte körperliche Aktivitäten, vor allem an der frischen Luft, stärken die Immunabwehr und machen zudem gute Laune. Besonders bei Krebspatienten konnte eine positive Wirkung in Studien nachgewiesen werden: Körperliche Aktivität reduziert messbar die Nebenwirkungen einer Chemotherapie, steigert die Leistungsfähigkeit und stärkt das Selbstbewusstsein – eine enorme Verbesserung der Lebensqualität. Darüber hinaus kann regelmäßige Bewegung einer Krebserkrankung vorbeugen, den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und das Rückfallrisiko senken.

Psychoonkologie

Die Psychoonkologie zielt darauf ab, Krebspatienten psychisch so zu stärken, dass sie ihre Krankheit besser annehmen und bewältigen können, dass sie ihre medizinische Behandlung unterstützen sowie anschließend wieder in ein aktives Leben zurückfinden können.
Maßnahmen dabei sind psychologische Gespräche, Bewegungs-, Kunst- und Musiktherapie und vieles anderes mehr.

Da auch Partner, Familie und Freunde durch die Diagnose Krebs und der damit verbundenen Sorge um den Erkrankten belastet sind, bieten Psychoonkologen auch Unterstützung für die Angehörigen an. Sie können den Angehörigen dabei helfen, den individuell richtigen Weg für die Begleitung eines nahestehenden Krebspatienten zu finden, der die eigenen Kräfte schont.

Mit der Situation umzugehen, ist für alle Beteiligten nicht leicht. Besonders belastend ist es für Kinder, wenn ein Elternteil erkrankt ist. Auch in diesen Fällen gibt es spezielle Angebote von Kinder- und Jugendpsychologen.

 

11) Detaillierte Quellen unter https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/chemo-strahlen.php

12) Quelle: Schmiegel et al. S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" - Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007 (für die Themenkomplexe IV, VI und VII) Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73, unter http://www.darmkrebs.de/behandlung/chemotherapie/krebsmedikamente-%28zytostatika%29/

13) https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sport-bei-krebs-so-wichtig-wie-.html